Diese Geschirrgeschichte, eine Kaffeetassengeschichte, ist neueren Datums als meine erste Geschirrgeschichte. Sie ereignete sich in einem meiner Spanienurlaube in Oviedo, der Hauptstadt Asturiens. Ihre Botschaft, oder besser die Botschaft, die sie neben ihrer aufgedruckten Schriftaussage mir an diesem Tag konkret mitgab, die allerdings ist hoffentlich zeitlos und allgemeingültig.
Es war meine letzte Übernachtung im einfachen Stadtrandhotel Oviedos, wo ich in der angegliederten Bar zum Frühstückskaffee diese o. a. Kaffeetasse vor mir stehen hatte. Der aufgedruckte Spruch:
“Si quieres cambiar el mundo, empieza por una taza de café Bio”
auf deutsch:
“Wenn du die Welt verändern möchtest, fange mit einer Tasse Biokaffee an”
gefiel mir so gut, dass ich den Kellner bzw. Barbetreiber fragte, ob ich so eine Tasse als Andenken kaufen könne. Er schaute mich kurz prüfend und wie ich fand - ein bisschen kritisch - an und antwortete kurz und bündig: “No!” Die Tassen verkaufe er nicht. Tja … “Schade” … für mich … dachte ich.
Als ich fertig gefrühstückt hatte und bezahlen wollte - das Frühstück war im Zimmerpreis nicht inbegriffen - stellte er eine leere, saubere und nur ein klitzekleines bisschen angeschlagene Tasse vor mich hin. Ichso: “Fragezeichen?” Er: “Die gehört dir. Als Andenken” Ich: “Kann ich doch eine kaufen? Was kostet sie?” Er: “Nein! Kaufen geht nicht. Ich verkaufe sie nicht. Wenn du Geld gibst, bekommst du sie nicht. Das ist heute mein zweiter Schritt, die Welt zu verändern. Viel Spaß damit!” Und nun lächelte er.
Sehr! glücklich und beschwingt verließ ich an diesem Tag mit der bruchsicher im Koffer gut verpackten Tasse das Hotel. Musste noch Zeit bis zur Abfahrt des Busses zum Flughafen überbrücken und tat dies Eis essend in der Fußgängerzone Oviedos. Wo ein Straßenmusikant in meiner Nähe sehr gefühlig “What a wonderful world” trompetete und damit nicht mehr und nicht weniger ausdrückte als das, was ich empfand. Was für eine wunderbare Welt es doch manchmal ist, in der ich leben darf!
Das Trompetensolo öffnete das berührte Herz gleich noch weiter, ich warf dem Musikanten deutlich mehr als üblich in das Sammelgefäß zu seinen Füßen. Nicht, weil ich etwas bezahlen wollte. Sondern um ein bisschen vielleicht weiterzugeben von dem Glücksgefühl, das die Geste des Barbetreibers in mir zum Klingen gebracht hatte. In der Hoffnung, einen Tsunami des Guten in der Welt anzustoßen oder zumindest eine kleine Welle der Freude, die unterschiedliche Menschen durch den Tag trägt. So wie der Flügelschlag eines Schmetterlings laut Chaostheorie am anderen Ende der Welt einen Tornado auslösen könnte.
Immer wenn ich die Tasse im Schrank betrachte - sie wird selten genutzt aber sie hat einen Ehrenplatz in der ersten Reihe - immer dann funkelt auch ein Jahr später noch ein kleines freudiges Glimmen des Glücks in mir auf. Dass sie die Welt verbessern wird, kann ich nicht beschwören. Meine Laune verbessert sie immer und immer wieder.
☕️
Was für eine wunderschöne Geschichte, liebe Lizzy. Noch mehr, da sie ja wirklich so passiert ist und - da bin ich mir ganz sicher - die Welt ein Stückchen freundlicher gemacht hat. :)
AntwortenLöschenZumindest für ein Weilchen und für einige Menschen.
LöschenMal sehen, ob sich gleich heute irgendwie wieder ein Impuls auffangen und in eine größer werdende oder weiter tragende Welle der Freundlichkeit verwandeln lässt. Ich werde meine Wahrnehmung dafür hoffentlich öffnen können.