Freitag, 21. November 2025

Von Messern, Gabeln und einer Zuckerzange. Oder: vergeblicher Widerstand

In den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts herrschte weitgehend elterliche Erziehungsgewalt und - *Basta!* - elterliche Letztwort-Hoheit sowieso. Deshalb diskutierte ich im Jugendalter zwar ausgiebig aber letztlich vergeblich mit meiner Mutter darüber, wie mit meinem sauer und selber verdienten Geld zu verfahren sei.

Ich plädierte für eine erneute Anlage in Reisen samt Equipment - so hatte ich alle  meine Wanderreisen inclusive Ausrüstung und benötigter Kleidung durch Hausaufgabenaufsichten und das Austragen von Zeitungen und Werbebroschüren zusammenverdient. Als aber das Kellnern über eine Faschingssaison in recht kurzer Zeit einen Tausender in meine Schülerinnentaschen spülte, bestand meine Mutter auf einer “sinnvolleren Anlage für die Zukunft”. Sprich: Anschaffung von Aussteuer.

Derartige Geldverschwendungen wären mir selber niemals in den Sinn gekommen und ich kämpfte hart um das mühsam verdiente Geld. Womit wir wieder bei der elterlichen Entscheidungshoheit wären …

An den folgenden Dialog erinnere ich mich sehr genau:

“Ich brauche keine Aussteuer! Ich  heirate sowieso nicht!”  

Erwiderung meiner Mutter: “Du und deine Gäste müssen auch von irgendwas essen, wenn du nicht verheiratet bist!”

Keine Chance, mich durchzusetzen und so entschied ich mich für eine platzsparende Aussteuer-Anlagen-Variante: ein Essbesteck. Wir suchten den mit allen erdenklichen Geschirr-, Besteck- , Topf- und sonstigen Haushaltsartikeln vollgestopften Haushalts- und Krimskrams-Waren-Laden in der überschaubaren Innenstadt meines Geburtsörtchens  auf. 

Dort hatten sie drei 12er-Komplettbestecke vorrätig. Die “Sonderbesteck-Bestandteile” wie Suppenkelle, Salatbesteck, Tortenheber etc. und … ZUCKERZANGE! (s. Foto oben - kein Mensch au dieser Welt braucht eine Zuckerzange … oder etwa doch?) mussten nachbestellt und nachgekauft werden. So wurde es peu à peu gekauft und die mit rotem Samt ausgeschlagenen Kisten wanderten nach und nach in eine dunkle Schrankecke. Für später. Harrend der Gästescharen und (Schwieger-)Familien. Den Ernst des Lebens im Hintergrund mahnend. Die Hausfrauenpflichten.

Ich hatte beschlossen - wennschon, dennschon - nicht auf den Preis zu achten sondern mich für dasjenige zu entscheiden, das mir am besten gefällt. Es war natürlich das teuerste der drei und kostete in der Tat ziemlich genau den kompletten Tausender. Das Besteck blieb meine einzige Disskussionsniederlage in Sachen Aussteuer und siehe! frau kommt auch ohne durch’s Leben ohne zu verhungern, zu verdursten oder zu erfrieren.

Nur wenige Jahre später zog ich 18jährig  ohne weitere Profi-Aussteuer in die erste Studentenbude in Münster. Wo von Festtafeln mit zwölf zierlich die Zuckerzange balancierenden Gästen keine Rede sein konnte. Einige Jahre blieb das Besteck mit den roten Samtkisten noch bei meinen Eltern, doch irgendwann beschloss ich, es schlicht zu nutzen. Inzwischen hatte sich herauskristallisiert, dass ich vermutlich wirklich eher nicht oder wenn, dann später heiraten und vermutlich niemals den Typ Gäste an großen Tafeln versammeln würde, an denen edles Besteck vonnöten ist. Dazu ermangelte es schon an Wohnungsgrößen.

Aber in der Tat hatte meine Mutter in einem Punkt recht: Löffel unterschiedlicher Größen braucht’s trotzdem, Messer und Gabeln sind ebenfalls ab und zu  nützlich auch bei Haushalten mit Hang zum “mit den Fingern essen” und ohne nennenswert ausgefeilte Tischmanieren flexibel verwendbar. Lediglich die Zuckerzange … aber Schwamm drüber!  Bevor ich mir weiter in Mensa und Co. geklautes Blechbesteck antat, holte ich doch lieber die Aussteuer ab und setzte sie im Alltag ein. 

Es ist mir ans Herz gewachsen,  mein unter massivem Nötigungsdruck in jungen Jahren gekauftes  Besteck. Vermutlich hätte ich mir einige Jahre später ein völlig anderes Design ausgesucht. Aber sei’s drum - ich mag es. Lange Jahre wenn nicht gar Jahrzehnte sah es auch immer weiter aus wie neu und ungebraucht. Doch dann kamen die Spülmaschinen und darauf hatten die Hersteller des ansich hochwertigen Bestecks nicht gesetzt.


Fünfzig Jahre später weisen einige oder die meisten der Teile Farbänderungen und bunte Schlieren auf; beim genauen Hinschauen zeigen sich kratzige Spuren im nicht mehr ganz so glanzvollen Metall. Lediglich die Zuckerzange blitzt wie neu. Insbesondere die Messer - sie sind bzw. waren lobenswert scharf; man konnte bzw. kann ein Brötchen (für die Bayern: eine Semmel) auch nach Jahrzehnten der Nutzung und des Spülens noch glatt und ohne Teigmatsch oder unnötige Krümelei zu produzieren  durchschneiden. 

Leider drang irgendwann Wasser in die am Griff vorhandene Naht und sie brachen. Zu meinem Leidwesen sind inzwischen nur noch fünf der ursprünglich zwölf Besteckmesser vorhanden. Und auch ihnen droht der Tod durch Auseinanderplatzen des Griffs. Von allen anderen Bestandteilen ist reichlich vorhanden. Zumal auch der Gatte ein sechsteiliges Besteck mit in unsere späte Ehe einbrachte. Jungs wurden vermutlich nie dazu gezwungen, ihr sauer verdientes Geld für Aussteuer rauszuschmeissen … 

Es ist mir komplett egal, dass die Gattenmesser komplett anders aussehen als mein Besteck. 🍴 Da bin ich anspruchslose Chaosnatur und mixe skrupellos alles durcheinander. Dummerweise schneiden die  von seiner Mama beim Auszug mitgegebenen Messer grottenschlecht. Taugen zu nicht viel mehr als zum Butter schmieren. Dabei isst der Gatte gar keine Butter …

Natürlich wäre ich bereit, passende Messer nachzukaufen. Habe stundenlang Internetseiten mit alten Bestecken durchforstet und dabei festgestellt: es gibt massenhaft davon und von einigen der gängigen, die jeder bei irgendwem - sei es Eltern, Schulfreund oder sonstigen Einladungen - schon mehrfach gesehen und genutzt hat, kann man noch heute Ersatz kaufen. Doch meins habe ich nicht nur nie im Leben irgendwo nochmal gesehen; es findet sich auch bei aller Mühe nirgendwo im Internet.  Wen wundert’s, wo ich doch - nicht nur geschmacklich - ziemlich oft neben dem Trend lebe …



Die Kästen mit dem roten Samt existieren nicht mehr. Einzige Hinweisspur ist die Gravur in der Messerklinge. Der Aufdruck “SMS” bedeutet wohl “Stahl-Messer-Stahl … der Rest bringt nicht weiter. Vielleicht sollte ich in einem der vielen Besteckmuseen weiterrecherchieren? Andererseits: inzwischen gibt’s auch ziemlich günstige Sonderangebots-Besteckmesser, die anständige Schneiden haben. 


🍴



P. S. inspiriert von Haldewitzka-Martins nostalgischem Beitrag zu “Senfkristall”





Dienstag, 26. August 2025

der Schmetterlingseffekt - wie ein Lufthauch oder eine Kaffeetasse (vielleicht?!) die Welt ändern

 


Diese Geschirrgeschichte, eine Kaffeetassengeschichte, ist neueren Datums als meine erste Geschirrgeschichte. Sie ereignete sich in einem meiner Spanienurlaube in Oviedo, der Hauptstadt Asturiens. Ihre Botschaft, oder besser die Botschaft, die sie neben ihrer aufgedruckten Schriftaussage mir an diesem Tag konkret mitgab, die allerdings ist hoffentlich zeitlos und allgemeingültig.

Es war meine letzte Übernachtung im einfachen Stadtrandhotel Oviedos, wo ich in der angegliederten Bar zum Frühstückskaffee diese o. a. Kaffeetasse vor mir stehen hatte. Der aufgedruckte Spruch: 

“Si quieres cambiar el mundo, empieza por una taza de café Bio”

 auf deutsch: 

“Wenn du die Welt verändern möchtest, fange mit einer Tasse Biokaffee an”

gefiel mir so gut, dass ich den Kellner bzw. Barbetreiber fragte, ob ich so eine Tasse als Andenken kaufen könne. Er schaute mich kurz prüfend und wie ich fand - ein bisschen kritisch - an und antwortete kurz und bündig: “No!” Die Tassen verkaufe er nicht. Tja … “Schade” … für mich … dachte ich.

Als ich fertig gefrühstückt hatte und bezahlen wollte - das Frühstück war im Zimmerpreis nicht inbegriffen - stellte er eine leere, saubere und nur ein klitzekleines bisschen angeschlagene Tasse vor mich hin. Ichso: “Fragezeichen?” Er: “Die gehört dir. Als Andenken” Ich: “Kann ich doch eine kaufen? Was kostet sie?” Er: “Nein! Kaufen geht nicht. Ich verkaufe sie nicht. Wenn du Geld gibst, bekommst du sie nicht. Das ist heute mein zweiter Schritt, die Welt zu verändern. Viel Spaß damit!” Und nun lächelte er.

Sehr! glücklich und beschwingt verließ ich an diesem Tag mit der bruchsicher im Koffer gut verpackten Tasse das Hotel. Musste noch Zeit bis zur Abfahrt des Busses zum Flughafen überbrücken und tat dies Eis essend in der Fußgängerzone Oviedos. Wo ein Straßenmusikant in meiner Nähe sehr gefühlig “What a wonderful world” trompetete und damit nicht mehr und nicht weniger ausdrückte als das, was ich empfand. Was für eine wunderbare Welt es doch manchmal ist, in der ich leben darf! 

Das Trompetensolo öffnete das berührte Herz gleich noch weiter, ich warf dem Musikanten deutlich mehr als üblich in das Sammelgefäß zu seinen Füßen. Nicht, weil ich etwas bezahlen wollte. Sondern um ein bisschen vielleicht weiterzugeben von dem Glücksgefühl, das die Geste des Barbetreibers in mir zum Klingen gebracht hatte. In der Hoffnung, einen Tsunami des Guten in der Welt anzustoßen oder zumindest eine kleine Welle der Freude, die unterschiedliche Menschen durch den Tag trägt. So wie der Flügelschlag eines Schmetterlings laut Chaostheorie am anderen Ende der Welt einen Tornado auslösen könnte.

Immer wenn ich die Tasse im Schrank betrachte - sie wird selten genutzt aber sie hat einen Ehrenplatz in der ersten Reihe - immer dann funkelt auch ein Jahr später noch ein kleines freudiges Glimmen des Glücks in mir auf. Dass sie die Welt verbessern wird, kann ich nicht beschwören. Meine Laune verbessert sie immer und immer wieder.

☕️




Freitag, 22. August 2025

Aus meinem Haushalt: eine Geschirr-Geschichte

Schon vor vielen Jahren - inzwischen sind Jahrzehnte daraus geworden - kommentierte eine damals enge Freundin den Zustand meiner Münsteraner Wohnung mit: “Dein einziger Stil ist die totale Stillosigkeit”.

Ich war nicht beleidigt. Im Gegenteil: mir gefiel das. Damals hatte ich auch wahrlich andere Probleme als “Stil”. Zum Beispiel hatte ich ziemlich wenig Geld und kämpfte immer darum -  und das auch immer erfolgreich - nicht ins finanzielle Minus zu rutschen (zumindest, wenn man die Bafög-Schulden nicht mitzählte ;)

So bestand der größte Teil meiner zusammengewürfelten Habseligkeiten aus Sperrmüllfunden, von anderen ausgemusterten Gegenständen, auf Flohmärkten zusammengekauft  oder aus der Rubrik “zu verschenken” der damals noch verbreiteten wöchentlichen kostenlosen Anzeigenblätter.

 

So fand ich - es muss irgendwann zwischen 1990  und 1995 gewesen sein - im damals noch in Münster  mehrmals im Jahr pro Wohngebiet stattfindenden Sperrmüll vor dem von vier Wohnparteien bewohnten Nachbarhaus einige völlig intakte Geschirrteile eines Service von Hutschenreuther, das schon damals ziemlich retro wirkte. Muster, wie sie Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre auch auf Tapeten ziemlich verbreitet waren.  Im Sperrmüll lagen - ich glaube vier oder fünf - große flache Teller (inzwischen sind es nur noch drei), eine Salatschüssel und eine Suppenterrine. 



Ich nahm sie mit und integrierte sie in meinen wie gesagt ziemlich kunterbunt zusammengewürfelten damals noch Alleinerziehenden-Haushalt. Und nahm sie beim Umzug Anfang 2000 auch mit nach München. Mitgenommen wurden lediglich wenige Dinge Sie mussten  in eine einzige Fuhre  eines für den Umzug gemieteten Sprinter + den Kofferraum eines Ford Fiesta passen. Das war für einen umziehenden zwei-Personen-ein-Hund-Haushalt nicht allzu viel und einiges davon noch älter und noch zusammengestückelter als das Geschirr. Aber ich hing und hänge immer noch genau an solchen Bestandteilen meiner Besitztümer.

Jahre später, es müssen mehr als zehn, eher fünfzehn gewesen sein und ist jetzt aber auch schon wieder an die zehn Jahre her, bekam ich Besuch von einer meiner damaligen Nachbarinnen mit der ich auch ein wenig befreundet war damals. Sie wohnte in dem vier-Parteien- Haus neben dem vier-Parteien-Haus, in dem ich mit meinem Sohn wohnte. Wir hatten beide von einer weiteren Nachbarin je einen Welpen aus einem ungeplanten Wurf bei uns aufgenommen und ihre “Bibi” und unser “Quax” spielten genauso häufig und gerne miteinander wie ihr Sohn und mein Sohn es taten. 

Und nun besuchte diese Nachbarin mit einem Lebensgefährten Bayern und in diesem  Zuge auch mich. Die beiden  waren einige Tage bei uns und bei einer gemeinsamen Mahlzeit kam auch dieses Geschirr zum Einsatz. Sie betrachtete es verblüfft und kommentierte: “Das ist ja witzig! Genau so ein Geschirr hatte ich früher auch mal!”

Ich fragte nach, was aus ihrem Geschirr denn geworden sei und bekam die Antwort, es hätte ihr damals nicht mehr gefallen und sie es sowieso nicht vollständig besessen sondern nur einige Teile irgendwann geschenkt bekommen (auch sie damals alleinerziehend wie viele in der Nachbarschaft). Also habe sie es irgendwann - es müsse jetzt mindestens zwanzig Jahre her sein - in den Sperrmüll getan.

Woraufhin ich ihr freudig mitteilen konnte: “Gisela - du isst gerade in München von einem Teller, den DU vor zwanzig Jahren in Münster in den Sperrmüll geworfen hast. Es IST dein Geschirr, das ich damals vor eurem Haus aufgesammelt und mitgenommen habe.” 

Ich muss wohl kaum erwähnen, dass wir beide die Geschichte ziemlich komisch fanden und ich seitdem an den verbliebenen wenigen Teilen noch mehr hänge als vorher schon. Besonders der Schüssel sieht man an: es ist meine am häufigsten benutzte Schüssel und  mehrmals pro Woche in der Spülmaschine.


🍽️ 🥗


Montag, 7. Juli 2025

🎹 in den Arsch, in den Arsch, in den Arsch … 🎹


Im beruflichen Umfeld hat es vermutlich jeder schon erlebt. Der oder die eine oder andere vielleicht sogar selber praktiziert? Das professionalisierte Streben nach Beförderung auf glänzender glitschiger Schleimspur in die höheren Etagen der Macht. 

Und das geht so:


dem Chef und allen in irgendeiner Form übergeordneten Personen wird in kurzen zeitlichen Abständen gepuderter Zucker in den durch tägliche eifrige  Kriechübungen perfekt  gedehnten Arsch geblasen.


Während Kollegen mit Talent, Arbeitsfreude aber eigenwilligen und freiheitsliebenden Charakterzügen voller Liebe zu Selbstbestimmtheit und Willensfreiheit  diesem unlustigen Schauspiel zusehend in unteren Hierarchieebenen mit der Zeit Rost ansetzen, rutscht der arschkriechende Schleimer geradewegs an die Spitze.


📈🖇️


Es war mir einmal wieder nach einem Doppeldrabble - inspired by:

Zucker – dehnen – Rost


Wortman


Willensfreiheit + erleben + unlustig.


PuzzleBlume


(Drabble -> genau 100 Worte - Überschrift zählt nicht mit)

Zurück nochmal zum lebensbeobachtend zusammengekritzelten Drabble oben: die Praxis und auch “Die Feisten” machen mit “Kriech nicht da rein” (siehe unten)  Hoffnung, dass es gelegentlich auch umgekehrt ausgehen kann. Wobei es meistens auf eine Kombination rausläuft: kaum einer mag Arschkriecher und trotzdem rutschen sie oft glatt bis … fast nach oben. Bleiben aber oft doch unterwegs stecken. 

Andere Erfahrungen?







Montag, 9. Juni 2025

Momentaufnahme: UrlaubsFotoDrabble für’s FamilienErinnerungsalbum

⛱️

Wir verbringen zu fünft den Nachmittag am Strand. Es ist ein idealer Sommerferientag am Meer. Der Mann und ich liegen enspannt auf einer bunten Decke. Halb sonnig, halb im lichten Schatten eines Pinienwäldchens. Eichhörnchen jagen sich flink den Stamm einer hohen Kiefer entlang.  Neben mir ist der Kopf des Mannes friedlich dösend auf die aufgeschlagene Zeitung gesunken. Seine Hand berührt leicht meinen Oberschenkel. Die Kinder bauen eine Sandburg, suchen Muscheln zum Verzieren, graben eifrig Gräben. Von Zeit zu Zeit ein Disput, Geschrei, Zank um Werkzeug. Schnell vergessen im Eifer des gemeinsamen Spiels. Das Meer rauscht, Gischttropfen leuchten in der Sommersonne.


☀️



Es wird mal wieder doublemitgedrabbelt (Drabble: genau 100 Wörte; Überschrift zählt nicht)



Die drei vorgegebenen Wörter bei Wortman für’s Dienstagsdrabble lauteten:


Kiefer – flink – Decke


Puzzleblume wollte im von ihr ausgeschriebenen Drabble die folgenden Begriffe eingebunden haben:


Strand + leuchten + ideal



Eine Bitte an die (wenigen ;) LeserInnen hier: stellt euch bitte vor dem Weiterscrollen die geschilderte Szene bildlich vor. Was seht ihr vor Euch und wieviel davon ist ausgestaltet, was nur eine grob skizzierte Szene?


Denn: zusätzlich zu den zwei von mir in einen Text zusammengefassten Drabble mit Wortunterbringung-Vorgaben habe ich mir (nicht zum ersten Mal) eine eigene “Sonderaufgabe” dazugebastelt. Eine Art “selbstformulierte Schreibübung”.


Als ich die sechs Wörter zusammengeschrieben vor mir sah, entstand spontan in meinem Kopf die Idee eines wie auch immer und anfangs noch nicht konkret ausbebilderten “Idylls”. So sagte ich mir - noch bevor ich eine konkrete Szene entstehen ließ - als Vorgabe:


“Schreibe eine rein beobachtende Szene, in der nichts weiter passiert als dass es idyllisch ist. Kein Spannungsbogen, keine Action, keine Dialoge und auch keine zu ahnenden Hintergründe, Fortführungen etc. Einfach nur wie ein Beobachter, der auf ein Foto guckt. Ein Foto, wie man es in ein Album kleben könnte und die Beteiligten erinnern sich noch Jahre später an diesen Tag als einen der schönen Momente”


Als die Aufgabe stand, habe ich im Kopf das Bild entstehen lassen, die Begriffe eingebaut und dann den Text geschrieben. Und das schon am Pfingstsonntag (an dem ich es wegen der “Dienstagsvorgabe” bei Wortman noch nicht öffentlich gestellt habe).


Später kam mir eine Idee: 


Ich kopierte den - vorher selbstverständlich gänzlich ohne Zuhilfenahme äußerer Mitformulierer o. ä. ;-) geschriebenen - Text  in die App von  ChatGPT  mit der Aufforderung, mir daraus bitteschön ein Bild zu generieren.


Die App forderte mich ihrerseits auf, einige Daten nachzuliefern: 

  • Stil
  • Tageszeit 
  • Perspektive. 
Was ich mit: 
  • Foto-Gemälde
  • Nachmittag und 
  • Fotografen-Perspektive am Boden 
beantwortete.


Nach einer Weile spuckte mir ChatGPT dieses Bild aus:







Was fällt (mir) dazu auf und ein:

  • Dafür, dass KI angeblich ach so intelligent ist, sind ja doch einige Textbausteine schlicht komplett falsch umgesetzt. Es steht ganz klar im Text, dass der Kopf des Mannes neben die erzählende Frau auf die Zeitung gesunken ist und seine Hand leicht ihren Oberschenkel berührt.  Das wurde mal eben komplett ignoriert. Ist das intelligent? Kann natürlich sein, dass sich die KI selbstherrlich - wie so oft in Krimis mit dem Thema - über den Wunsch des Auftraggebers *ach, Papperlapapp…* hinwegsetzt und selbstherrlich und eigenmächtig mal eben kurz darüber befindet, dass der KI-Geschmack für Idylle dem der dummen Menschin haushoch überlegen ist. Textreue? KI 🤖 ist doch kein Sklave! Oder gibt’s bessere Deutungen für die Abweichungen?
  • Natürlich hätte ich - streng auf meinen Wunsch beharrend - eine Nachtragsanforderung stellen können und sehen, was dann dabei rauskommt. Die Abweichung gefiel mir als Ergebnis aber letztlich besser - nicht wegen des Bildes sondern wegen der Abweichung ;)
  • Zum Positiven: insgesamt finde ich das Ergebnis verflixt gut! Die Stimmung ist passend eingefangen, das erdachte idyllische Familienbild ist - mit den kleinen aber diesbezüglich wirklich eher bedeutungslosen Abweichungen - genau in der Form entstanden, wie ich mir das vorher ausgemalt hatte. Echt nah dran!
  • Was im Umkehrschluss aber auch bedeutet: die selbstgestellte Aufgabe ist auch gelungen wie gedacht. Denn damit das entstandene Bild so sein kann wie erhofft, muss doch die Textpassage das transportieren, was sie transportieren sollte.

Falls jemand möchte, würde es mich freuen, wenn er/sie/du mir mitteilt, ob das Bild ebenfalls einigermaßen nah an dem Vorstellungsbild ist. Und wenn “Nein”, warum nicht.



❔❓⁉️❗️❕




Dienstag, 6. Mai 2025

Nicht alles nur heiter Sonnenschein …


Rangieren? Rückwärts fahren mit Wohnmobil?  Kann ich. Nicht. Im Zustand gestresster Müdigkeit gleich dreimal nicht. Müsste dringend schlafen aber soll nochmal umparken. Verdammt eng hier. Vorwärts Rundfahrt über den Platz oder rückwärts raus? Ach komm, ist doch Jacke wie Hose. Mach‘ ich rückwärts. *Knirsch* - Scheißdreck! Wo zum Henker kommt da jetzt das fucking  Eisengittertor her und warum hat das nen Metallvorsprung?  


Mal nachgucken: rechte Rücklichtverkleidung aus Plastik hat ein Loch. Lampen sind intakt. Hätte schlimmer kommen können und ein Platter wär‘ noch blöder. Das hier lässt sich provisorisch mit Plastik überkleben und dann ab ins Bett und gelassen weiter urlauben


.



🚐



Wortman hat dieses Dienstagsdrabble (100 Wörter genau - Überschrift zählt nicht mit) mit den darin zu enthalten seienden Wörtern:


Jacke – schlafen – Platte


ausgeschrieben. Und ich es genutzt, auch mal einen der nicht ganz so trallala-heitersonnigen Urlaubsanteile loszuwerden ohne damit dem “Hauptblog” seinen lockeren Nimbus zu versauen ;)
Künstlerische Schreibansprüche wurden ganz bewusst komplett außen vorgelassen 😁



Montag, 14. April 2025

am Schlüsselloch eines erfolgreichen Politikers ein Drabble erlauscht

Hab‘ ich jetzt richtig gehört? Du fragst mich, ob ich mit dir eine Paartherapie machen will? Warst das nicht du gefühlsblinde Despoten-Drecksau, die auf keinen Fall irgendwelche „Seelenklempner“ in ihren Phantasien rumpfuschen lassen wollte weil die unser Sex nix angeht? Wobei wir sowieso schon lange keine heißen Stories erzählen konnten. Alle drei Monate vielleicht mal stinklangweiligen Blümchensex. Ich durfte die politisch korrekte Deko geben während du notgeiles Tyrannenarschloch mit jeder Praktikantin in die Kiste gesprungen bist. Willst jetzt wohl noch ein bisschen Öl ins Feuer gießen!? Pack‘ deinen Kram und verpiss dich. Die Scheidung ist beantragt. Ich sag‘ nur „Gütergemeinschaft“!

🗯️ 💴 


Wortman gab für dsa heutige Drabble (100 Wörter) folgende Begriffe vor:

Öl – hören – Kiste

Sonntag, 13. April 2025

für Elke - ein Antwortversuchsdrabble

Was bringt mir diese Drabble-Spielerei?  Ist es mir eine Herausforderung, aus vorgegebenen Begriffen Geschichten vorgegebener Länge zu konstruieren also Gebäude aus Wörtern zu bauen, die eine bestimmte Größe nicht überschreiten dürfen? 

Ist es meinem chaotischen Hirn zu mühsam, eigene Geschichten zu erfinden und mir dafür die Regeln selber vorzugeben? Ginge doch auch! 

Mag ich die Unvorhersehbarkeit der Aufgabenstellung? So wie ich es in der Schule liebte, Klassenarbeiten zu schreiben? In Deutsch und anderen sprachlichen Fächern waren sie meine Highlights im Schulalltag und das Abitur die Krönung. 

Aber dafür bekam ich (oft gute) Noten. Warum Drabbles? Ich meditier’ mal drüber!


🧘🏻‍♀️

 

Drabblevorgabe (100 Wörter) + die Begriffe: Gebäude + bekommen + chaotisch - bei PuzzleBlume


Elke fragte im Kommentar zum vorherigen Drabble, ob das Drabblen für mich (noch) eine Herausforderung darstellt und ich hab‘ mal spontan drüber nachgedrabbelt 😜


⁉️




Montag, 7. April 2025

DoubleDrabbleEducationalRemit: Kommunikation im Bienenvolk

Die Bienensprache mit ihren unterschiedlichen Kommunikationsformen ist faszinierend und wert, sie näher kennenzulernen

So werden Pheromone vielfältig eingesetzt. Die Zusammensetzung dieser Hormone bildet eine Art Geheimschrift jedes Volkes. Diese für einen Bienenstock wie ein Fingerabdruck identifizierenden Duftstoffe werden von der Bienenkönigin produziert, die nah an der Brut in einer Art Zimmer als einzige für Nachwuchs sorgt.


Wenn Bienen sich mit ihren Antennen berühren, ist das eine Sprachform, die auch beim Eingang zum Stock, einem für Mitglieder zu passierender Tunnel,  genutzt wird.


Schließlich und endlich gibt es komplizierte Schwänzeltänze zur Weitergabe von Informationen über Sammelstellen, Nektarqualitäten etc. 


Bienen sind mehrsprachige Kommunikationssprezalisten!.



🐝 🐝 🐝 🐝 🐝 🐝 🐝 🐝 🐝 🐝


Wen das Thema ausführlicher interessiert: „Die Sprache der Bienen“


*  Drabbles sind Geschichten mit  exakt 100 Worten. Die Überschrift zählt nicht mit. Ihren Ursprung haben Drabbles in einem Sketch der britischen Comedytruppe Monty Python. Dort nannte sich die Idee „Drabbles – A Word Game for 2 to 4 Players“.

Zur Verschärfung der Vorgabe wurden bei Wortman drei einzubauende Begriffe vorgegeben:


Zimmer – berühren – Tunnel


Puzzle🌸 gibt in einer eigentlich anderen „Drabble-Ausschreibung“ weitere Begriffe vor:


Geheimschrift -  kennenlernen - endlich


Die von mir für mich selbst gebastelte Aufgabe lautet: beide kombinieren und ein Drabble mit sechs vorgegebenen Begriffen zusammenbasteln. 

Im heutigen „Bildungsauftrag“ eine kleine Biostunde 🐝


Montag, 31. März 2025

Gefühlter Drabble-Bildungsauftrag: Kurzeinblicke in Menschenleben

 ⚖️

“Nichts, was auf Dummheit beruht, kann von Dauer sein.” 

Ich würde diese These hinterfragen oder zumindest diskutieren wollen.

Aufgestellt wurde sie von der Philosophin und Politikwissenschaftlerin Hannah Arendt (1906-1975), die sich in mehreren Werken mit Dummheit und Denken auseinandersetzte und insbesondere durch den Begriff der „Banalität des Bösen“ bekannt wurde.

Arendt rollt Handlungsmuster in totalitären Strukturen auf und beschreibt, dass Menschen durch gedankenlosen Gehorsam zu schrecklichsten Grausamkeiten fähig sind. Sie berichtete über die Eichmann-Prozesse in Jerusalem und beschäftigte sich mit dem Angeklagten, der sich selber nie die Finger schmutzig machte aber für den Tod von Millionen Menschen  maßgeblich verantwortlich war.


⚖️


Vorgegeben waren bei Wortman für‘s Dienstagsdrabble die Begriffe:

Finger - rollen - Dummheit


und nochmal zur Wissensauffrischung des Begriffs „Drabble“:


Ein Drabble ist eine kurze Erzählung mit genau 100 Worten. Nicht mehr und nicht weniger. Die Überschrift zählt nicht mit! Erfunden wurde das Drabble, um die Fähigkeit eines Autors zu testen, ob er/sie interessante Ideen auf begrenztem Raum ausdrücken kann.
Die Herausforderung dieser Schreibaktion liegt nicht nur in den 100 Worten, sondern auch in den drei vorgegebenen Begriffen, die eingebaut werden müssen.


✍🏼


Kurz hatte ich überlegt, den 1. April zum Anlass zu nehmen, ein Scherz-Drabble zu erstellen. Weil auf Anhieb aber keine Intuition dazu aufploppte und ich nicht zu viel an Zeit investieren kann im Moment, habe ich‘s bei einer weiteren Folge der Serie „Bildungsauftrag: Kurzeinblicke in Lebens- oder Wirkaspekte bekannter Persönlichkeiten“ belassen.


Jetzt - wo ich das schreibe - fällt mir ein, dass ich genausogut ein Drabble um die Hintergründe und Entstehunsgeschichte der 1.April-Scherze hätte erstellen können. Zu spät …




⏰